
Warum der Börsengang von SpaceX viele Anlagestrategien auf den Prüfstand stellt
Einmal mehr hat Elon Musk mit dem größten Börsengang der Geschichte seines Unternehmens SpaceX die Gemüter von Anlegern erhitzt. Während einige Experten von einer völlig absurden Unternehmensbewertung bzw. einem viel zu hoch ausgerufenen Aktienpreis sprechen, raten andere weiterhin zum Zukauf. Für Skeptiker enden die Überlegungen zu SpaceX allerdings nicht mit dem Umstand, die Aktie schlichtweg nicht zu kaufen. Das Wertpapier wurde für viele Kritiker auch überraschend früh und ohne Einhaltung üblicher Kriterien in zahlreiche Aktienindizes aufgenommen. Und damit landet SpaceX über die sehr beliebten ETFs (Exchange Traded Funds, welche Aktienindizes nachbilden) auch bei Anlegern, die Elon Musks Börsenneuling als Investment kategorisch ablehnen. Kurzfristig wird SpaceX in einem weltweiten Aktienindex wie dem MSCI World keine Rolle spielen, somit ist für Anleger kein Grund zur Panik angebracht. Trotzdem lohnt ein vertrauensvolles Gespräch mit einem professionellen Vermögensberater immer, um etwaige Schwachstellen in der eigenen Veranlagungsausrichtung zu identifizieren bzw. generell ein optimales Chancen-/Risikoverhältnis herzustellen.
Es kommt auf die Gewichtung an
In den ersten Börsentagen schaffte es SpaceX nach rasanten Kursgewinnen mit einer Bewertung von bis zu 2,65 Billionen US-Dollar knapp hinter Microsoft auf Platz 5 der wertvollsten Unternehmen der Welt. In einem auf dem Index MSCI World zugrundeliegenden ETF könnte ein derartiger Börsenwert eine Gewichtung der SpaceX Aktie von knapp 4 Prozent bringen. Derzeit wird allerdings nur ein Bruchteil der Aktien von Elon Musks Unternehmen an der Börse gehandelt, im MSCI World Index ist dieser liquide Anteil für die Gewichtung relevant. Die SpaceX Aktie wird somit kurzfristig nur zu etwa 0,1 und nicht zu 4 Prozent die Performance des MSCI World Index beeinflussen. Dennoch sollten sich Anleger, welche ausschließlich und eventuell auch aus Kostengründen nur auf den MSCI World setzten, die Frage nach einer ausgewogenen Anlagegewichtung stellen. Im Gegensatz zu SpaceX verzeichnen die Top-Techkonzerne der Welt enorme Unternehmensgewinne. Allerdings sind auch die Bewertungen an den Börsen in gigantische Dimensionen vorgestoßen. Die Streuung an Aktien ist zwar mit nominell 1.283 Einzeltiteln sehr breit. Die Performance der sehr schwankungsfreudigen Techgiganten beeinflusst allerdings das Gesamtergebnis überproportional.
MSCI World Index, größte Positionen, Stichtag 30.06.2026
| Platz |
Unternehmen |
Gewichtung |
Branche |
| 1 |
Nividia |
5,18% |
IT |
| 2 |
Apple |
4,77% |
IT |
| 3 |
Alphabet |
4,16% |
Kommunikation |
| 4 |
Microsoft |
2,95% |
IT |
| 5 |
Amazon |
2,59% |
zyklische Konsumgüter |
| 6 |
Broadcom |
1,91% |
IT |
| 7 |
Micron Technology |
1,46% |
IT |
| 8 |
Meta (Facebook) |
1,39% |
Kommunikation |
| 9 |
Tesla |
1,33% |
zyklische Konsumgüter |
| 10 |
Eli Lilly |
1,08% |
Gesundheitsversorgung |
| |
Gesamt Top 10 |
26,82% |
|
| |
Aktien Gesamt |
1283 |
|
Quelle: msci.com
Mehrere Fondsprodukte bedeuten nicht automatisch größere Risikostreuung
Es gibt inzwischen sehr viele ETFs, die den Weltaktienmarkt abdecken. Kauft man von zwei unterschiedlichen ETF-Anbietern wie zB. ishares oder xtrackers einen ETF auf den MSCI World Index, erhält man mit minimalsten Abweichungen das komplett gleiche Anlageergebnis. Investiert man dagegen in zwei aktiv gemanagte global ausgerichtete Fonds, kann durch unterschiedliche Präferenzen und Einschätzungen der jeweiligen Fondsmanager bereits eine gewisse Risikostreuung erreicht werden. Ebenfalls stabilere Anlageergebnisse bringt die Kombination von aktiven Fonds mit ETFs, weil auch hier tendenziell abweichende Erträge zu erwarten sind. Wenig Diversifikationseffekte dagegen sind zu erwarten, wenn über ETFs auf ähnliche bzw. nur marginal unterschiedliche weltweite Indizes gesetzt wird (zB. MSCI vs FTSE Index). Auch Detailbetrachtungen, dass in manchen weltweiten Indizes potenzielle Schwellenländer wie Taiwan inkludiert sind und in manchen nicht, ergeben tendenziell keine großen Abweichungen im Gesamtergebnis. Spezielle Vorsicht ist geboten in kleineren Marktsegmenten bei Branchen- oder Länderindizes. Investiert man beispielsweise in den österreichischen Aktienmarkt über einen ETF auf den ATX (Austrian Traded Index) ist man zu über einem Drittel in nur zwei Bankaktien gewichtet (Erste Bank mit rund 20 Prozent und BAWAG Group mit circa 15 Prozent).
Aktiv oder kostengünstig passiv investieren?
Ein unbestreitbarer Vorteil von ETFs sind die verhältnismäßig geringen Kosten. Kapitalmärkte sind von den besten Vermögensverwaltern der Welt mit globalen Netzwerken an Experten zumindest kurzfristig nur schwer prognostizierbar. ETFs folgen pragmatisch Anlagetrends und verstärken damit Kursbewegungen. Je größer eine Aktie entsprechend der Unternehmensbewertung, desto stärker wird diese im ETF gewichtet. Nicht nur Elon Musks neuer Börsegang sorgt bei zahlreichen Experten für Kopfschütteln in der Bewertung, auch Tesla ist ein ähnlich streitbares Thema. Aus rationalen Überlegungen ist daher die Tesla-Aktie in vielen aktiv gemanagten Fonds nicht enthalten, und um SpaceX werden auch viele professionelle Investoren einen großen Bogen machen. Aktien mit hohem Unternehmenswert und entsprechender Gewichtung in ETFs mit mauen Gewinnperspektiven könnten für ausschließlich passiv orientierte Anleger in negativen Marktphasen auch zum Boomerang werden. Umgekehrt könnte gezieltes, rationales Investieren von aktiven Fonds in aktuell unterbewertete Unternehmen positive Effekte haben.
Tipp – Mit individueller Beratung zu tatsächlicher Risikodiversifizierung
Die aktuellen Diskussionen um die SpaceX-Aktie zeigen, dass ein Blick über den Tellerrand hinaus und vor allem tief in seine Finanzprodukte hinein äußerst wichtig ist. Viele Kleinanleger fühlen sich mit grundsätzlich zwar breit gestreuten Produkten auf der sicheren Seite, sind aber tendenziell zu stark von allgemeinen Kapitalmarktlaunen abhängig.
Kosten im Anlagebereich sind ein wichtiger Faktor für den Gesamtertrag. Noch wichtiger ist allerdings ein gutes Managen von Risiken bzw. sein Portfolio ertragreich und möglichst krisenresistent aufzustellen. Und letztendlich auch individuelle Anlagepräferenzen mit den richtigen Produkten – egal ob aktiv gemanagt oder passiv (mit ETFs) - bestmöglich abzudecken. Sehr gerne erstellen wir mit Ihnen gemeinsam ein individuelles Anlagekonzept bzw. überprüfen Ihre bestehenden Investments und beraten Sie objektiv zu Chancen und Risiken am Kapitalmarkt.
Datenquelle: msci.com
|